Der südkoreanische Premiumhersteller Genesis nimmt erstmals beim World Endurance Championship (WEC), der Langstreckenrennen Weltmeisterschaft, teil. Und APPROVED berichtet live – fasten your seatbelt!
600 Kilometer können sich ziehen wie Kaugummi – außer man sitzt im Genesis GV60. Dann fühlt sich die Strecke von unserem Startpunkt München aus nach Spa in Belgien plötzlich an, wie ein gut geölter Kurztrip: leise, entspannt, zügig. Und als Ziel wartet ein Wochenende, das irgendwo zwischen Rennfieber, Gänsehaut und „Das alles in nur 499 Tagen?“ pendelt.

Hi, ich bin Celine und zusammen mit meinem Partner Stefan dürfen wir euch auf dieses unfassbare Wochenende mitnehmen und berichten. Doch zurück auf Anfang. Freitagmorgen, Roadtrip München nach Belgien. 600 Kilometer liegen vor uns. Ziel: Spa‑Francorchamps, etwa 1,5 Autostunden südöstlich von Brüssel. Die Ardennen, die WEC, ein Debütteam und wir mittendrin. Der GV60 macht sofort klar, dass das hier kein klassischer Autobahnritt wird. Die Sitze kneten den Rücken, als wollten sie sicherstellen, dass niemand unterwegs schlechte Laune bekommt. Laden? Einmal anstecken, kurz durchatmen, weiterfahren – die Schnelllader spucken die Energie fast schneller aus, als man den Kaffee trinken kann. Bei der Ankunft an der Strecke in Spa Francorchamps wirkt es beinahe so, als hätte der Wagen sogar noch Lust auf eine Ehrenrunde. Und auch wir hätten dagegen nichts einzuwenden, Massagesitze sind eben ein Lebensgefühl.

Auf dem Parkplatz dann dieser Moment, in dem klar wird: Das Wochenende wird besonders. Elektro‑Shuttles surren sofort heran, man steigt ein und steht Minuten später mitten in der Paddock‑Gasse. Fun Fact am Rand: Die Paddocks hier stehen auf einem der ältesten permanenten Rennstrecken‑Areale Europas. Das heutige Endurance‑Pit‑Building wurde 2007 komplett neu gebaut, weil die Hypercar‑Klasse so stark wächst und die alte Anlage den modernen Prototypen schlicht nicht mehr gewachsen war.
Im Les Mains Spirit Club erst mal ein herzliches Willkommen, samt Panoramablick auf die Boxengasse, gefolgt vom Pitwalk: Mechaniker, Carbon, Hektik, Präzision. Näher dran geht fast nicht… Am Nachmittag dann das erste Mal Hypercar‑Sound. Schwer zu beschreiben, was das im Bauch auslöst, wenn die Autos über die Strecke schießen. Das breite Grinsen im Gesicht sagt dafür alles. Genesis qualifiziert sich auf P15 und P17 – solide, konzentriert, bereit für den großen Tag. Und umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass die Südkoreaner nicht nur ihre Premiere beim WEC feiern, sondern auch ihren gesamten Rennstall in gerade einmal 499 Tagen aufgebaut haben. Ehre wem Ehre gebührt.

Das Highlight des Tages trägt einen Namen, der im Motorsport Gewicht hat: Jacky Ickx. Sechs Le‑Mans‑Siege, acht Formel‑1‑Grand‑Prix‑Triumphe, zweimal Vizeweltmeister. Schwer beeindruckend. Heute begleitet er Genesis als Berater und Mentor – ein Perfect Match, denn Ickx gibt seine wertvolle Erfahrung mit viel Liebe und Verständnis weiter. Die Führung durch die Garage mit ihm fühlt sich an wie ein Blick hinter den Vorhang einer neuen Ära.


Das Genesis‑Hypercar steht da wie ein technisches Statement und dass ich das originale Lenkrad in der Hand halten durfte (siehe unten), ist einer dieser seltenen Augenblicke, in denen Technik plötzlich greifbar wird. Beim anschließenden Roundtable zeigt Ickx, warum er eine Legende ist: kein Platz für Nostalgie, kein Regal voller Pokale. Nur der Blick nach vorn. Und ein Satz, der hängen bleibt: Niemand schafft es allein. Hinter jedem Erfolg stehen Menschen, die Potenzial erkennen und fördern. Ein schöner Gedanke – und ein ehrlicher obendrein.

Der Tag endet in Lüttich, in einem ehemaligen Kloster, heute ein 4-Sterne-Hotel mit ganz eigenem Charme. Trotz des langen Tages hängen die Mundwinkel nicht mit den Augenringen um die Wette, ganz im Gegenteil: Vorfreude sticht Müdigkeit. Dann noch ein gemeinsames Abendessen und anschließend ins Bett fallen. Morgen wird groß.

Am nächsten Morgen gehen die Augen auf, als hätte jemand einen Startknopf gedrückt. Auf dem Gelände vibriert bereits die Luft – teils wortwörtlich, wenn ehemalige Sieger beim Lap of Honour über die Strecke donnern. Der Tag startet mit einem Roundtable mit Designer Luc Donckerwolke, dem Mann, der zuvor bei Lamborghini und Bentley Geschichte geschrieben hat, bevor er zu Hyundai und später Genesis wechselte. Einer, der Autos nicht zeichnet, sondern erzählt.
Video: Stefan Ehgartner (APPROVED).
Dann die Media Loops, Mitfahren auf der Rennstrecke im Genesis G70. Unser Pilot: Paul‑Loup Chatin. Erst Nervosität, dann Faszination. Der Mann fährt mit 180 km/h in die Kurve und plaudert dabei, als würde er im Café sitzen. Auf die Frage, ob er privat lieber fährt oder gefahren wird, kommt die Antwort ohne Zögern: „Ich fahre selbst, traue nur mir.“ Schwer zu widersprechen.

Nach den Media Loops folgt der Grid Walk – dieser Moment, in dem die Startaufstellung plötzlich kein abstrakter Begriff mehr ist, sondern ein vibrierender Mikrokosmos aus Mechanik, Konzentration und Adrenalin. Teams beugen sich über letzte Details, Fahrer wirken gleichzeitig fokussiert und gelassen, und die Hypercars stehen da, wie aufgezogene Raubtiere kurz vor dem Sprung.
Um 14 Uhr fällt der Startschuss. Die Stimmung kocht. Jeder Rennstall startet übrigens mit zwei Autos und Teams. Das Genesis-Debütteam fährt konzentriert, sauber, ohne Drama – genau die Art Rennen, die man sich wünscht, wenn ein Newcomer zum ersten Mal im WEC‑Feld steht. Und während andere Größen wie Toyota, Cadillac und Ferrari jeweils ein Auto verlieren, bleiben beide Genesis‑Boliden im Spiel. Am Ende landet das Team stolz auf Platz 8 und 15 – vielleicht nach außen hin nicht die größten Schlagzeilen, aber nach innen nichts außer pure Freude. Purer Stolz. Und reine Dankbarkeit für so ein Team.
Strahlende Gesichter auf dem Podium und die berühmt berüchtigte Champagnerdusche. Video: Stefan Ehgartner (APPROVED).
Am Ende holt BMW als Münchner Doppelspitze Platz eins und zwei, ein Moment, der sich für uns fast wie Heimspiel anfühlt. Die Podiumszeremonie verfolgen wir aus der Boxengasse: nah genug, um die Erleichterung in den Gesichtern zu sehen, weit genug weg, um der Champagnerdusche zu entgehen.
Sonntagmorgen geht’s entspannt zurück nach München. Der GV60 gleitet über die Autobahn, als wolle er sagen: „War doch ein schönes Wochenende.“ Und das war es – elektrisierend, emotional, und mit dem Gefühl, dass die Südkoreaner gerade erst angefangen haben. In vier Wochen steht dann das 24‑Stunden‑Rennen in Le Mans an, wir werden zu Hause vor dem Bildschirm wieder für Genesis mitfiebern.
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